Mark






über zirkulaeres bauen




Juni 2021

zirkulieren [t͡sɪʁkuˈliːʁən] 
lat. circulare 
im Umlauf sein

Das Zirkulieren, beschreibt den Vorgang des sich im Kreis Bewegens, also eine dynamische Bewegung in einem System, das in sich geschlossen ist. Ein solches nachhaltiges System veranschaulicht in der Ökologie der Stoffkreislauf. Er definiert eine zyklische Umwandlung von chemischen Verbindungen die nach dem Ablauf verschiedener Chemischer Vorgänge erneut den Ausgangsstoff generieren. Dieser Kreislauf wird durch die spezifischen Eigenschaften von Produzent*Innen, Konsument*Innen und Destruent*innen aufrechterhalten. 1

Die diesem Prinzip entsprechende zirkuläre Handlungs- und Denkweise prägt das stark wachsende Verständnis der Gesellschaft Verantwortung auch für künftige Generationen zu übernehmen und beschleunigt den dringend nötigen Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft.


Im Beschluss vom 24. März 2021 heißt es dazu in der Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts, Nr. 31/2021 vom 29. April 2021:

„§ 3 Abs. 1 Satz 2 und § 4 Abs. 1 Satz 3 KSG in Verbindung mit Anlage 2 genügen jedoch nicht dem aus dem Gebot der Verhältnismäßigkeit folgenden Erfordernis, die nach Art. 20a GG verfassungsrechtlich notwendigen Reduktionen von CO2-Emissionen bis hin zur Klimaneutralität vorausschauend in grundrechtsschonender Weise über die Zeit zu verteilen.

Danach darf nicht einer Generation zugestanden werden, unter vergleichsweise milder Reduktionslast große Teile des CO2-Budgets zu verbrauchen, wenn damit zugleich den nachfolgenden Generationen eine radikale Reduktionslast überlassen und deren Leben umfassenden Freiheitseinbußen ausgesetzt würde. Künftig können selbst gravierende Freiheitseinbußen zum Schutz des Klimas verhältnismäßig und verfassungsrechtlich gerechtfertigt sein; gerade deshalb droht dann die Gefahr, erhebliche Freiheitseinbußen hinnehmen zu müssen. Weil die Weichen für künftige Freiheitsbelastungen bereits durch die aktuelle Regelung zulässiger Emissionsmengen gestellt werden, müssen die Auswirkungen auf künftige Freiheit aber aus heutiger Sicht verhältnismäßig sein. Auch der objektivrechtliche Schutzauftrag des Art. 20a GG schließt die Notwendigkeit ein, mit den natürlichen Lebensgrundlagen so sorgsam umzugehen und sie der Nachwelt in solchem Zustand zu hinterlassen, dass nachfolgende Generationen diese nicht nur um den Preis radikaler eigener Enthaltsamkeit weiter bewahren könnten.“ 


Zirkulæres Denken in der Architektur. 


Das Bedürfnis junger Menschen in einer klimagerechten Gesellschaft zu leben, zeigt sich zuletzt in den Demonstrationen der Fridays for Future Bewegung, in deren Zuge sich auch junge Architekt*Innen zu den Forderungen der Architects for Future bekennen. Sie fordern eine drastische Wende im Bausektor und eine Reduktion des CO2 Verbrauchs.


„Die Bau- und Gebäudewirtschaft liegt laut einem UN-Bericht beim Treibhausgas-Ausstoß auf Rekordniveau und hinkt damit den im Pariser Klimaschutzabkommen festgelegten Zielen hinterher. Der Sektor macht mittlerweile 38 Prozent der globalen CO2-Emissionen aus.“ - Greenpeace

Im Angesicht der nahenden Klimakrise und des bereits spürbaren Klimawandel stehen auch Architekt*Innen in der Verantwortung einen schnellen Wandel Ihrer Branche herbeizuführen.
Die beiden Maximen lauten:

        baue ressourceneffizient.

        baue energieeffizient. 

Die Ressourceneffizienz beschreibt das Verhältnis des verwendeten Materials zum aufgewendeten CO2 Ausstoß bei einer Baumaßnahme.


Dabei gilt es auch bewährte Maßnahmen umzusetzen und zu stärken. Das ökologische Bauen ist dabei ein Aspekt. Der Holzbau hat, als populärste ökologische Bauweise, in den letzten Jahren große Fortschritte im Baurecht erzielt und kommt bereits bei öffentlicher Vergabe vermehrt zum Einsatz. Durch das Verwenden nachwachsender Ressourcen wird einerseits ein kreislaufgerechtes Bauen sichergestellt, andererseits CO2 direkt gebunden - Städte sollen in Zukunft als CO2 Speicher, einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Aufschwung im Bausektor erfährt derzeit das Recycling. Durch das Wiederverwenden von Baumaterialien und Bauteilen, kann das bei der Herstellung verursachte CO2, und damit ein Großteil des beim Bau verursachten Kohlendioxid, vermieden werden. Aktuelle Projekte [K118] zeigen, dass diese Bauweise das Potenzial hat auch bei großen Projekten Anwendung zu finden und somit einen relevanten Beitrag zur CO2-Einsparung im Bausektor leisten kann.

Auf die Energie bezogen ist ein Gebäude umso effizienter, je geringer der Energieaufwand und die Energieverluste während dem Betrieb sind.


Auch hier gibt es bereits bewährte Methoden, und vom Staat anerkannte und geförderte Standards. Ziel ist es Bauwerke so zu bauen, dass während ihrer Lebenszeit wenig Energie aufgewendet werden muss um einen möglichst großen Komfort für die Bewohner*Innen zu erreichen. Der zu bewältigende Energieaufwand wird durch wärmebrückenfreies Konstruieren und die Dämmung des Hauses minimiert und durch das Nutzen erneuerbarer Energien kreislaufgerecht.

Die Idee des Zirkulären Denkens baut auf diese Maxime auf, fasst sie zusammen und geht darüber hinaus.


Eine zirkuläre Architektur beabsichtigt nicht nur das unmittelbare Ziel der Bauherr*Innen umzusetzen, sondern plant darüber hinaus auch für künftige Generationen. Eine geringe Umweltbelastung ist ebenso Bestandteil der Planung, wie das Ermöglichen von Rück- oder Umbau. Bauteile sollten so gefügt werden, dass sie mittels lösbarer Verbindungen für die Wiederverwendung geeignet sind:

design for disassembly. 



[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Stoffkreislauf [01.06.2021]
[2] https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2021/bvg21-031.html [01.06.2021]

Mark






das förderprogramm



April 2021

Der Bausektor trägt momentan mit 38% zum weltweiten CO2 Ausstoß bei und baut seinen Anteil weiter aus. Architekt*Innen stehen in der Verantwortung hier einen dringend nötigen Wandel herbeizuführen. Als ökologische Bauweise gerät zur Zeit der Holzbau in den Fokus der Öffentlichkeit. Holz als nachwachsender Rohstoff und CO2 Speicher bringt viele Eigenschaften eines zukunftsfähigen Baumaterials mit sich. Die Stadt München entwickelte auf dem Gebiet der ehemaligen Prinz Eugen Kaserne mit der Ökologischen Mustersiedlung ein Quartier in Holzbauweise. Als Anreiz für die neuen Grundstückseigentümer*Innen und zukünftigen Bauherr*Innen ökologisch zu Bauen sollte ein eigens hierfür entwickeltes Förderprogramm der Stadt München dienen:
Die „NAWARO-Förderung“.


Im Hinblick auf die Klimakrise kann der Holzbau allein die ambitionierten Ziele
nicht stemmen.
In Zukunft wird das Zirkuläre Bauen eine ebenso entscheidende
Rolle spielen. Auch im Bezug auf das Bevölkerungswachstum
und die weiter voranschreitende Verstädterung zeigt sich bereits deutlich, dass unsere Ressourcen in
Form von Boden und Baumaterialien nicht unerschöpflich sind. 




„Ressourcenschonung beginnt bei der Nachnutzung von Land und Gebäudebestand: Jede Weiternutzung hat Vorrang vor der Erschließung weiterer Neubaugebiete.“ 1


Als neue nachhaltige Ressourcenquelle dient die Stadt selbst, dieses Prinzip nennt sich Urban Mining und findet unter jungen Architekt*Innen immer mehr Anklang. Der Bau mit recycelten Materialien und Bauteilen ist in Belgien und in der Schweiz bereits seinen Kinderschuhen entwachsen. Der Beruf der Bauteilejäger*In entstand beim Baubüro Insitu in Basel und befasst sich mit der Listung, Kategorisierung und Bewertung abzubauender Baumaterialien. Diese Bauteile werden dann in einem Bauteilkatalog zusammengetragen und stehen anschließend zur Einplanung in spezifischen Bauvorhaben oder auch zum direkten Verkauf bereit. Auch in Deutschland gibt es online Bauteilbörsen, wie das „bauteilnetz.de“ oder „restado.de“.

Anreize für Bauherr*Innen zirkulär zu bauen, abgesehen von einem Guten gewissen den eigenen CO2-Fußabdruck betreffend gibt es noch nicht. Das Bauen mit Recycelten Materialien hat gegenüber dem herkömmlichen Bauen einen Kostennachteil, der sich vor allem aus einem erhöhten Planungsaufwand ergibt. Damit in Zukunft auch Zirkuläres Bauen einen positiven Einfluss auf die CO2 Bilanz im Bausektor nehmen kann muss es konkurrenzfähig werden. Dies kann zum jetzigen Zeitpunkt nur über Fördergelder erreicht werden.

Die entscheidenden Punkte zur Förderung orientieren sich im Wesentlichen an der „NAWAROs-Berechnung“ und sollen vergleichbar einfach gehalten werden. Wichtig ist, dass nicht nur das Verbauen von recycelten Materialien entscheidend ist, sondern auch das Konstruieren von recyclingfähigen Gebäuden. So gilt es einen Richtwert zu ermitteln, der eine klare Auskunft über die Zirkularität im Bezug auf Baustoffe und Baukonstruktion des jeweiligen Bauvorhabens trifft. Hierfür ist der Kontakt zu erfahrenen Expert*Innen und Fachplaner*Innen esenziell. Die anfallenden Kosten für den planerischen Mehraufwand soll die Förderung Zirkulaeres Bauen künftig ausgleichen. 


Eine kreislaufwirtschaftliche Planung und Kostenbetrachtung über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie muss in den Fokus gerückt werden, um Gebäude in Zukunft als Ressource planen zu können. 





[1] Annette Hillebrandt, Petra Riegler-Floors, Anja Rosen, Johanna-Katharina Seggewies: Atlas Recycling, Seite 10 [2018] 

Mark





das pilotprojekt






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Die Kunstaktion zeiht nach Haidhausen          ︎  Infos folgen  ︎   




re:up



Kunstaktion: Zirkuläres Bauen 

Durch die Nutzung natürlicher Ressourcen in langlebigen Produkten und Bauwerken haben sich in unseren Städten enorme Materiallager aufgebaut. Im Rahmen einer Masterthesis an der Fakultät für Architektur der TU München wird das Potential dieser urbanen Minen zur Ressourceneffizienz moderner Städte beizutragen im Selbstversuch erprobt und dokumentiert.




Gerade während der Corona-Pandemie werden im Stadtraum dringend Begegnungsorte ohne Konsumzwang benötigt. Aus diesem Grund wird das Ergebnis der Masterarbeit als Kunstaktion im öffentlichen Stadtraum platziert und soll als Interaktions- bzw. Informationsplattform zu den Themen Ressourcen-rückgewinnung und kreislaufgerechtes Bauen dienen.




Grob gesagt geht es darum die Potenziale der Stadt und der Architektur ganzheitlich aufzuzeigen und erlebbar zu machen. Konkret handelt es sich hierbei um einen alten Bürocontainer, der vor der Schrottpresse gerettet und ausschließlich mit wiederverwendeten Materialien, ergänzt von nachwachsenden Rohstoffen, als möglicher Wohnraum umgebaut werden soll. So werden die bestehenden Außenwände durch neu entwickelte, thermisch wirksame Wandkonstruktionen ersetzt. Hierbei sollen Potentiale und Schwierigkeiten des Zirkulären Bauens sowohl in der Materialbeschaffung als auch in, den heutigen Anforderungen entsprechenden, Wandaufbauten erprobt werden. In und an dem Container sollen im Rahmen einer Exposition Potentiale aufgezeigt und als ein gebautes Mockup im Maßstab 1:1 für die Stadtbevölkerung erfahrbar gemacht werden.


So sollen zum Einen die Prinzipien des Urban Mining, der Ressourceneffizienz, der Abfallvermeidung und des Zirkulären Bauens erklärt und zum Anderen die damit einhergehenden Möglichkeiten im Bezug auf Wohnraum, Sozialwirtschaft, Klimaschonung und Identitätsstiftung aufgezeigt werden.




Hierfür wird der Container auf dem Willy-Brandt-Platz positioniert, um diesen in einen Ort der Begegnung und des Austausches zu verwandeln.








Mit aktionistischen Mitteln kann im öffentlichen Raum mehr Platz geschaffen werden, wenn auch teilweise nur temporär. Zudem sind sie ein gutes Mittel, um öffentlich und medienwirksam auf die Missstände unser Gesellschaft hinzuweisen.



Ziel der Kunstaktion soll es sein das Bewusstsein für Themen der Ressourceneffizienz und der Nachhaltigkeit in der Bevölkerung zu stärken und einen positiven Ausblick auf den dringend benötigten Wandel unseres Bauwirtschaftens geben.





Treffen im Freien sind in der Corona-Pandemie zu einer beliebten und sicheren Alternative geworden. Doch nicht jeder hat einen eigenen Balkon oder kann sich den Besuch in der Außengastronomie leisten. Auch der Willy-Brandt-Platz bietet bisher keine frei zugänglichen Sitzmöglichkeiten und wird von den Freischankflächen der umliegenden Gastronomie dominiert. Die Installation soll Bürger*Innen die Möglichkeit bieten, sich im eigenen Viertel frei von Konsum aufzuhalten und einen Ort der Interaktion innerhalb der Nachbarschaft darstellen.


So soll der triste und aktuell wenig genutzte Willy-Brandt-Platz im Zeitraum vom 02. bis zum 17. Oktober in einen charaktervollen Ort der Riemer Nachbarschaft verwandelt werden.



zum Willy-Brandt-Platz ︎︎︎ 








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