das förderprogramm



April 2021

Der Bausektor trägt momentan mit 38% zum weltweiten CO2 Ausstoß bei und baut seinen Anteil weiter aus. Architekt*Innen stehen in der Verantwortung hier einen dringend nötigen Wandel herbeizuführen. Als ökologische Bauweise gerät zur Zeit der Holzbau in den Fokus der Öffentlichkeit. Holz als nachwachsender Rohstoff und CO2 Speicher bringt viele Eigenschaften eines zukunftsfähigen Baumaterials mit sich. Die Stadt München entwickelte auf dem Gebiet der ehemaligen Prinz Eugen Kaserne mit der Ökologischen Mustersiedlung ein Quartier in Holzbauweise. Als Anreiz für die neuen Grundstückseigentümer*Innen und zukünftigen Bauherr*Innen ökologisch zu Bauen sollte ein eigens hierfür entwickeltes Förderprogramm der Stadt München dienen:
Die „NAWARO-Förderung“.


Im Hinblick auf die Klimakrise kann der Holzbau allein die ambitionierten Ziele
nicht stemmen.
In Zukunft wird das Zirkuläre Bauen eine ebenso entscheidende
Rolle spielen. Auch im Bezug auf das Bevölkerungswachstum
und die weiter voranschreitende Verstädterung zeigt sich bereits deutlich, dass unsere Ressourcen in
Form von Boden und Baumaterialien nicht unerschöpflich sind. 




„Ressourcenschonung beginnt bei der Nachnutzung von Land und Gebäudebestand: Jede Weiternutzung hat Vorrang vor der Erschließung weiterer Neubaugebiete.“ 1


Als neue nachhaltige Ressourcenquelle dient die Stadt selbst, dieses Prinzip nennt sich Urban Mining und findet unter jungen Architekt*Innen immer mehr Anklang. Der Bau mit recycelten Materialien und Bauteilen ist in Belgien und in der Schweiz bereits seinen Kinderschuhen entwachsen. Der Beruf der Bauteilejäger*In entstand beim Baubüro Insitu in Basel und befasst sich mit der Listung, Kategorisierung und Bewertung abzubauender Baumaterialien. Diese Bauteile werden dann in einem Bauteilkatalog zusammengetragen und stehen anschließend zur Einplanung in spezifischen Bauvorhaben oder auch zum direkten Verkauf bereit. Auch in Deutschland gibt es online Bauteilbörsen, wie das „bauteilnetz.de“ oder „restado.de“.

Anreize für Bauherr*Innen zirkulär zu bauen, abgesehen von einem Guten gewissen den eigenen CO2-Fußabdruck betreffend gibt es noch nicht. Das Bauen mit Recycelten Materialien hat gegenüber dem herkömmlichen Bauen einen Kostennachteil, der sich vor allem aus einem erhöhten Planungsaufwand ergibt. Damit in Zukunft auch Zirkuläres Bauen einen positiven Einfluss auf die CO2 Bilanz im Bausektor nehmen kann muss es konkurrenzfähig werden. Dies kann zum jetzigen Zeitpunkt nur über Fördergelder erreicht werden.

Die entscheidenden Punkte zur Förderung orientieren sich im Wesentlichen an der „NAWAROs-Berechnung“ und sollen vergleichbar einfach gehalten werden. Wichtig ist, dass nicht nur das Verbauen von recycelten Materialien entscheidend ist, sondern auch das Konstruieren von recyclingfähigen Gebäuden. So gilt es einen Richtwert zu ermitteln, der eine klare Auskunft über die Zirkularität im Bezug auf Baustoffe und Baukonstruktion des jeweiligen Bauvorhabens trifft. Hierfür ist der Kontakt zu erfahrenen Expert*Innen und Fachplaner*Innen esenziell. Die anfallenden Kosten für den planerischen Mehraufwand soll die Förderung Zirkulaeres Bauen künftig ausgleichen. 


Eine kreislaufwirtschaftliche Planung und Kostenbetrachtung über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie muss in den Fokus gerückt werden, um Gebäude in Zukunft als Ressource planen zu können. 





[1] Annette Hillebrandt, Petra Riegler-Floors, Anja Rosen, Johanna-Katharina Seggewies: Atlas Recycling, Seite 10 [2018] 

Mark